What If They Were Right?
Armin Chodzinski
Jana Gunstheimer
Ulrike Mohr
Özlem Sulak

Kuratiert von Elke Falat

Eröffnung: 28.Oktober, 18 – 21 Uhr
29.Oktober – 12. Dezember 2011
Öffnungszeiten: Mi – Sa, 12 – 18 Uhr

 

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Die Gruppenausstellung What If They Were Right? fokussiert auf Momente des Zweifels und der Verunsicherung. Sie untersucht die transitorischen Augenblicke, in denen etwas seine spezifische Gültigkeit verliert und der persönliche Lebensentwurf ebenso wie Glaubenssysteme und Normen destabilisiert und unterwandert werden. Die Fragen danach, wer überhaupt „they“ sind und was „right“ ist, stellen sich dabei für jeden anders. Bei den teilnehmenden Künstlerinnen und Künstler kann „They“ dem eigenen sozialen familiären Umfeld, der Religion, gesellschaftlichen Normierungssystemen und der Arbeits- und Finanzwelt zugeordnet werden.

So bildet die eigene Lebenssituation für Özlem Sulak den Ausgangspunkt ihrer Arbeit und die Konfrontation mit der Frage, was es bedeutet heutzutage Künstlerin zu sein. In ihrer Wandarbeit listet sie akribisch auf, was sie alles hätte werden können, aber nicht geworden ist. Die Liste beginnt mit der Aufzählung von Berufen, die vielleicht durch den familiären Hintergrund und die Ausbildung noch plausibel erscheinen bis hin zu Berufen, von denen Özlem Sulak bisher noch gar nichts wusste und die sie erst durch Recherche für diese Arbeit kennengelernt hat. So entspannt sich in der Arbeit eine Dramaturgie von möglichen Lebensentwürfen hin zu einem fast schon manischen Eskapismus und der Sehnsucht nach einem anderen Leben.

Jana Gunstheimers Installation „Licht, Feld, Störung“ (2011) besteht aus einer Anordnung von Scheinwerfern, Druckern, Kabeln und Mischpulten. Alles ist schwarzweiß und aus Papier und Pappkarton in Originalgröße gebaut. Die vermeintlichen Ausdrucke, die aus den Druckern herausragen, sind mit Graphit gezeichnete Abbildungen von Heiligenfiguren und Kruzifixen. Das ganze Szenario vermittelt den Einruck, als ob die christliche Bildmaschine scheinbar verlassen und entkontextualisiert weiterläuft, auch wenn der Auftraggeber und die Mitarbeiter scheinbar schon längst nach Hause gegangen sind.

Ulrike Mohr unterläuft in ihren Arbeiten häufig bestehende Ordnungssysteme, indem sie diesen neue, subjektive Ordnungssysteme entgegensetzt. Für What If They Were Right? hat sie unterschiedliche Metermaßstäbe und Lineale verköhlert, die in ihrer Gestalt verformt werden und durch den thermischen Prozess schrumpfen. Der Metermaßstab, der als solcher zwar noch erkennbar ist und Normierung behauptet, misst dadurch keinen Meter mehr wie „normal“ vorgesehen. Das verköhlerte und zu einem fragilen Turm aufgeschichtete Geschicklichkeitsspiel Jenga beschreibt ebenfalls einen Moment der Destabilisierung.

Armin Chodzinski setzt sich in seinen Arbeiten mit dem Verhältnis von Kunst, Wirtschaft und Gesellschaft auseinander. In der Arbeit “arbeiten - Versuchsaufbau 1“ (2011) liegt eine Fahne wie ein Relikt einer Demonstration auf dem Boden, auf die das Wort „arbeiten“ appliziert ist. Die Fahne ist jedoch im Gegensatz zu den Fahnen, die früher bei Arbeitskämpfen verwendet wurden nicht rot, sondern pinkfarben. Auf der Fahne befindet sich ein Megafon und ein batteriebetriebener Plüschhund wälzt sich solange lachend darauf, bis er schließlich bis zur Bewegungsunfähigkeit in den Stoff gewickelt ist – protestantischer Arbeitsbegriff triff auf Hedonismus. 
(Elke Falat)

 

 

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English:

 

 

The group exhibition What If They Were Right? focuses on moments of doubt and uncertainty. It examines the transitory instants in which something loses its specific validity, and not only one’s personal life plan but also systems of faith and norms are destabilized and infiltrated. The questions who “they” are and what “right” is are different for everyone. For the participating artists, “they” can mean their own social, familial surroundings, religion, societal systems of standards, or the world of work and finances.

 

For example, Özlem Sulak’s own living situation is the point of departure for her work and her confrontation with the question of what it means to be an artist today. In her wall piece, she meticulously lists all the things she could have become but did not. The lists begins with professions that might seem plausible because of her family background and education and extends to careers about which Özlem Sulak had not known anything previously and only learned about during her research for this work. Hence the work unwinds a dramaturgy of possible life plans and into an almost manic escapism and desire for a different life.

 

Jana Gunstheimer’s installation Licht, Feld, Störung (Light, field, disturbance; 2011) consists of an arrangement of spotlights, printers, cables, and mixing consoles. Everything is black-and-white and constructed from paper and cardboard in original size. The supposed print-outs that loom out of the printers are depictions of saints and crucifixes washed with black ink. The whole scenario gives the impression that the Christian imagery machine has been abandoned and continues to run decontextualized, although the staff has apparently long since gone home.

 

Ulrike Mohr’s works often undermine existing systems of order by juxtaposing them with new, subjective systems of order. For What If They Were Right? she charred various metersticks and rules, and they are transformed and shrunk by this thermal process. The meterstick, while still recognizable as such and asserting its norm, no longer measures a meter as “normally” intended. Jenga, a game of skill charred and stacked into a fragile tower, also describes a moment of destabilization.

 

In his work Armin Chodzinski grapples with the relationships between art, economy, and society. In arbeiten - Versuchsaufbau 1 (work: experimental structure 1; 2011), a flag with the word arbeiten (work) lies on the floor like a relic from a demonstration. Unlike the red flags once used at workers’ demonstrations, however, this one is pink. There is a megaphone on the flag, and a battery-powered stuffed dog waltzes about, laughing, on the flag until it has been cut up in its fabric and is unable to move—the Protestant work ethic meets hedonism.

 

Curated by Elke Falat

 

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